Verweigerung

Gerade entdeckte ich beim Aufräumen meinen Wehrpass wieder. Da werden schlagartig Erinnerungen wach an eine Zeit, in der es noch allgemein verpönt war den Wehrdienst zu verweigern. Nach meiner Überzeugung hätte ich dies tun müssen, aber mir fehlte der Mut. Umso mehr Respekt hatte ich vor einem Bundeswehrkameraden, der – da sein Antrag abgelehnt wurde – zwar zum Wehrdienst eingezogen wurde, aber während der 18 Monate jeglichen Dienst an der Waffe verweigerte. Dies hatte zur Konsequenz, dass er in kontinuierlicher Folge jeweils für 3 Wochen in den „Bau“ musste. So verbrachte er die 1 1/2 Jahre de facto als Häftling in der Kaserne, musste sogar noch „nachsitzen“, als wir anderen entlassen wurden – und wurde einige Zeit nach uns als „vorbestraft“ in die Freiheit geschickt. Ich habe viel nachgedacht über Männer, die sich weigern für ihr Land in den Krieg zu ziehen … und auch über die Allgemeinheit, die sie verurteilte und in den Schmutz zog. In Anbetracht der Realitäten in der Welt ist ein Wehrdienst notwendig. Aber eigentlich tut ein Kriegdienstverweigerer doch genau das, was den Frieden sichern würde – vorausgesetzt, weltweit würden alle so handeln. Eine Illusion, ich weiß – aber gleichzeitig ein Ideal. In Gedanken habe ich dem Kameraden ein Denkmal gesetzt – ein Denkmal, das es für Menschen wie ihn im realen Leben in keinem Land der Welt geben wird.

EA

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1 Comment

  1. Hallo, sehr guter Beitrag. Mir ging es ähnlich. Wollte ebenfalls verweigern. Wurde aber erst mit 23 Jahren wegen Tauglichkeitsgrad 3 eingezogen. Da hat man keine Lust mehr noch 3 Monate länger aus dem Berufsleben gerissen zu werden. Zu dem Text passt der Spruch „stelle dir vor es wäre Krieg und keiner geht hin“. Leider nur ein Traum.

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