Tannhäuser

Das Saarländische Staatstheater brachte am Pfingstsonntag 2017 Richard Wagners „Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg“ nach langer Zeit wieder einmal auf die Bühne – in der Pariser Fassung und mit großem Erfolg. Nicht enden wollender Beifall belohnte alle an der Aufführung Beteiligten, die sich nach viereinhalb Stunden zum Schlussapplaus auf der Bühne versammelt hatten. Sogar das Staatsorchester hatte dazu den Orchestergraben verlassen und auch die Bühnentechniker durften den Beifall des Publikums ernten. Regisseur Johannes Erath hat Wagners Werk neugedeutet und legt den Focus auf die Einheit der so gegensätzlichen Figuren Elisabeth und Venus („Heilige und Hure“ in einer Person). Auch die Figur des Hirten erfährt eine Neudeutung und zugleich eine damit verbundene Aufwertung. Erath zeigt im Verein mit Bühnenbildner Julius Semmelmann eine riesige Treppe, die den Venusberg symbolisiert, gleichzeitig aber auch die Unmöglichkeit Tannhäusers – man denkt an Sisyphos – darstellt, sein Ziel zu erreichen. Auch im zweiten Akt bleibt diese Treppe erhalten, was die in Tannhäuser gedankliche Anwesenheit der verführerischen Venus erahnen lässt. Schaukeln, an langen Seilen vom Bühnenhimmel herabhängend und nicht nur Tannhäuser Platz gebend, symbolisieren die Unstetigkeit im Leben. Im dritten Akt ist die Bühne leer und zum Ende wird sogar der Blick durch die rückseitigen Fenster des Theatergebäudes freigegeben. Die Schaukel ist zerbrochen, alle Haltlosigkeiten und Hemmnisse in Tannhäusers Welt sind beseitigt – er ist erlöst. Die für diese Produktion teilweise sehr ungewöhnlich gestalteten edlen und fantasievollen Kostüme entwarf der bekannte französische Modeschöpfer Christian Lacroix.

Neal Cooper sang die hochstrapaziöse Titelpartie des Tannhäuser mit seinem für Wagnerrollen idealen Tenor voller Strahlkraft und mit bewundernswerter Ausdauer. Jennifer Maines‘ Venus betörte durch das sinnliche Timbre ihres Mezzosoprans und trumpfte in den Höhen mächtig auf. Susanne Braunsteffer sang mit der Elisabeth ihre erste Wagner-Partie und bewies, dass ihr voller wohltönender Sopran wie für Wagner geschaffen ist. Eine große Stimme, die eine große Karriere verdient. Mit warmem Timbre und gleichmäßig strömend gab Werner van Mechelen (demnächst als Klingsor bei den Bayreuther Festspielen zu erleben) einen erstklassigen Wolfram. Sein „Lied an den Abendstern“ bildete einen der Höhepunkte der Aufführung. Hiroshi Matsui war Landgraf Hermann und füllte mit seiner schönen sonoren Bassstimme den Raum. Herdís Anna Jónasdóttir sang anrührend das Lied des jungen Hirten. Carlos Moreno Pelizari (Walther von der Vogelweide), Markus Jaursch (Biterolf), Algirdas Drevinskas (Heinrich der Schreiber) und Stefan Röttig (Reinmar von Zweter) komplettierten ein hervorragendes Ensemble.

Chor (Leitung: Jaume Miranda) und Orchester begeisterten unter dem souveränen Dirigat von Nicholas Milton. Die enorme Bandbreite zwischen ekstatischen, lyrischen und sakralen Klängen wurde meisterhaft wiedergegeben.

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