Sprechen wir über Oper!

Es gab eine Zeit in meinem Leben, da hätte ich jeden für verrückt erklärt, der mir gesagt hätte, er gehe in die Oper. Als Jugendlicher hatte ich mit klassischer Musik nichts am Hut. Irgendwann aber erlebte ich dann in der Schule eine Musikstunde, die mich faszinierte. Wir lernten „Die Moldau“ von Smetana kennen. Je mehr wir uns in das Orchesterstück vertieften und lernten, was der Komponist mit seinem Werk musikalisch malte, desto größer wurde meine Begeisterung für diese Musik. Ich fragte meinen Musiklehrer, ob er mir das Tonband mit der „Moldau“ ausleihen würde. Er freute sich über mein Interesse und tat es. Ein paar Tage durfte ich es behalten. Zuhause hörte ich das Werk dann mehrfach und bald merkte ich, wie faszinierend klassische Musik sein kann, vor allem dann, wenn man ein Werk kennt. Bald danach schloss ich ein Schüler-Abo für die Sinfoniekonzerte im Saarbrücker Theater ab. Irgendwann kaufte ich auch einmal eine Karte für die Oper, später dann immer häufiger – und auch Schallplatten sowie die Noten der Werke. Im Laufe der Zeit wurden meine Opernbesuche zu einer wahren Leidenschaft und meine Bewunderung für das, was Sängerinnen und Sänger können und leisten, wuchs. Die Begeisterung für die Oper hatte allerdings nicht nur etwas mit der Musik zu tun, sondern auch mit einer Sängerin, die damals in Saarbrücken engagiert war: Brenda Roberts – eine junge bildhübsche Amerikanerin mit einer Wahnsinnsstimme, die später an vielen großen Opernhäuser der Welt sang. Auch andere, die in Saarbrücken begonnen hatten, machten danach eine steile Karriere – ich denke insbesondere an Siegmund Nimsgern und Jonas Kaufmann. Auch derzeit sind in Saarbrücken Stimmen zu hören, die auf eine große Zukunft hoffen lassen.

Natürlich bleibt einem nicht verborgen, dass man als Opernfreund einer Minderheit angehört. Dem Großteil der Menschen geht es so wie mir früher: Oper ist ihnen fremd – und was Opernliebhaber als schön empfinden, ist für andere schrecklich. Ich kenne jemanden, der Qualen erleidet, wenn er einmal seiner Frau zuliebe mit in die Oper geht. Er sagt (und ich glaube ihm fast), dass er bei einer langen Wagner-Oper sterben würde. Was ich allerdings seltsam finde, ist dies: In allen Lebensbereichen erfährt die jeweilige Höchstleistung von Menschen allgemeine Bewunderung – nur beim Singen nicht! Kannst du am schnellsten laufen oder als erster ein Rennauto durchs Ziel bringen, am weitesten oder höchsten springen, die höchsten Wolkenkratzer bauen, das tollste Zauberkunststück vollführen, die meisten Tore schießen – immer sind alle begeistert! Erbringst du jedoch beim Singen die absolute Höchstleistung (und das ist definitiv der Operngesang), jubelt nur eine im Vergleich zur Masse bei Pop- oder Volksmusikkonzerten relativ kleine Fangemeinde – der große Rest mag das, was du tust, nicht. Warum? Ich fand die Antwort während der Rückfahrt nach einem Opernbesuch, als aus dem Autoradio ein Schlager ertönte, dessen Hauptmelodie aus nur 3 Tönen bestand und ein Beifahrer voller Begeisterung mitsang. Oper ist nicht leicht genug. Oper ist schwere Kost. Trotzdem meine Empfehlung an alle, die es noch nie getan haben: Einfach mal reingehen! Beim ersten Mal tut’s vielleicht noch weh – beim zweiten Mal ist es schon ziemlich schön, und ab dem dritten Mal wollt ihr nie mehr darauf verzichten! … (Wir sprachen über Oper.)

EA

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