Sprachä

Sie kennen das ja sicher: Wenn man eine Rede halten muss, interviewt wird oder im beruflichen oder privaten Kreis etwas sagen will, kommt es vor, dass man – um Lücken zu überbrücken – ein mehr oder weniger lang gezogenes „ä“ einfügt. Diese kleine Denkpause nutzt man dann, um sich den Folgetext zu überlegen. Nur wenige schaffen es, fließend zu sprechen, ohne das besagte „ä“ zu verwenden. Was mir allerdings seit geraumer Zeit immer häufiger auffällt, wenn ich im Fernsehen Politikern, Reportern und Moderatoren beim Sprechen zuhöre, ist ein ganz besonderes Phänomen: Man fügt das „ä“ nicht als Denkpause ein, sondern hängt es direkt an ein Wort an, so als ob es zu diesem gehören würde. Es ist offensichtlich chic geworden so zu sprechen und  der Nachahmungseffekt ist mittlerweile so groß geworden, dass es nur noch wenige Statements ohne „ä“ an so manchem  Wortende gibt bzw. gibtä.

Es istä also gewissermaßenä eine Erscheinung der Zeitä, die hoffentlich baldä (gesprochen: baltä) vorübergehtä. Denn mir wirdä (gesprochen: wirtä) immer ganz schlechtä, wenn ich so etwas zu oftä hören mussä. Natürlichä übertreibe ich hier etwasä, aber wenn Sie einmal daraufä achten, werden Sie merken, dassä diese Artä des Redensä offensichtlich eine Modeerscheinung geworden undä so manches Wortä davon betroffen istä.

Ich will mich jetzt aber mäßigen und Sie nicht länger nerven. Achten Sie einmal darauf, wenn in Radio oder Fernsehen Politiker interviewt werden, Auslandskorrespondenten berichten oder Moderatoren zu Ihnen sprechen – Sie  werden z.B. kaum noch ein „und“ hören, sondern  viel häufiger ein „undä“ (gesprochen: „untä“). Ich habe mir einmal den Spaß gemacht und ä-Wörter notiert, die ich bei Fernsehdarbietungen aufschnappte. Hier eine kleine Auswahl: hatä, istä, kommtä, gutä, zumindestä, auchä, schwachä, vonä, Dienstagä, dassä, aufä, Herzä, bisä … Die Liste könnte spielend leicht fortgesetzt werden.

Ich sehne mich jedenfalls nach einem baldigen Ende dieses Sprachsspuksä!

EA

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