Käuflich

Gerade beschäftigte mich – auch im Hinblick auf mich selbst – die Frage, warum man auf Facebook Beiträge postet und inwiefern Likes ein Antrieb dafür sind. Es interessierte mich, ob es darüber Untersuchungen gibt und ich machte mich auf die Suche via Google. Ich gab nur die beiden Begriffe „Facebook“ und „Likes“ ein. Zu meinem Erstaunen führte erst der 10. Treffer zu dem, was ich suchte – bei den ersten neun Ergebnissen ging es um das Thema, wie man mehr Likes oder Freunde bekommen kann. Die Lösung ist übrigens ganz simpel: Man kann sie kaufen! Die Seite „likeskaufen.eu“ bietet z.B. tausend deutsche Facebook-Fans für 71,38 Euro an. Zwanzig 5-Sterne-Bewertungen für eigene Facebookseiten kosten 19,04 Euro. Was man heutzutage alles kaufen kann – unglaublich und echt krank! Ich hörte auch schon, dass man einen Doktortitel käuflich erwerben kann, ebenso den Professorentitel. Sogar den Adelsstand erreicht man mit Geld. Ob das wirklich stimmt, weiß ich nicht. Aber man könnte ja mal nachschauen, was mich „Prof. Dr. Erwin von Sprengen“ kosten würde. Apropos „würde“: Würde würde man sich dann wohl automatisch mitkaufen. Ah ja, hier komme ich weiter: title-town.eu/professorentitel. Mit 55 Euro für einen „Prof. h.c.“ bin ich schon dabei – ein Sonderangebot. Wahnsinn! Ich muss nur noch in der Rubrik „Professor of“ ein Fach wählen. Ich nehme wohl „Angel Studies“. Nein, doch nicht – „Art of Loving“ macht das Rennen. Damit ist die Sache geritzt. Jetzt schnell zum Doktortitel! Schon wieder ein Sonderangebot: 35 Euro – nicht zu fassen! Also, für schlappe 90 Euro bin ich jetzt Prof. Dr. – nun auf zum Adelstitel! Ein Link führt mich zu adelstitel-kauf.eu! Dort gibt es auch wieder mehrere Preisreduzierungen. Ich habe die Wahl zwischen „Ritter von Liechtenstein-Kastelkorn“, „Landgraf von Liechtenstein-Kastelkorn“, „Landgraf von Fechenbach“, „König von Gleichen“ (behalte ich mal im Hinterkopf), „Graf von Wolfsthal“ (das ‚h‘ hat was!), „Kaiser von Wolfsthal“ (wow!) oder „Freiherr …“ bzw. „Fürst von Liechtenstein-Kastelkorn“. „König“ und „Kaiser“ sind mit 69 Euro am teuersten. Der „Kaiser von Wolfsthal“ macht das Rennen. Wenn schon nach oben, dann aber doch bitteschön ganz an die Spitze! Alles in allem kostet mich die Chose nur 159 Euro. Wer hätte das gedacht!? Jetzt muss ich nur noch bezahlen … und dann schnell meinen Facebooknamen ändern. „Erwin Altmeier“ – wie bescheuert klingt das denn! Lächerlich und ganz weit unten. Bald werdet ihr „Prof. Dr. Erwin von Sprengen, Kaiser von Wolfsthal“ lesen. Die Frage ist nur, wie ihr, das niedere Volk, mich dann anreden müsst. Mit „Eure Hoheit“ macht ihr aber sicher nichts falsch!

EA

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