Hollywood

Hollywood, ich komme! Noch bin ich nicht da, aber es kann nicht mehr lange dauern, bis ich das Leben in meinem kleinen Dörfleinchen gegen die VIP-Welt und den Glamour der Filmmetropole eintausche. Der Einstieg ins Filmgeschäft ist gemacht und der erste Schritt auf dem Weg zum Weltruhm getan. Dieser Tage wurde ich entdeckt. Die renommierte Produzentin Marisa Winter wollte mich für ihren dritten Film haben. Sie unterbreitete mir das Angebot, in ihrem neuen Kinofilm mitzuwirken. Voller Stolz und Vorfreude auf eine große internationalen Karriere fuhr ich zum Drehort nach Saarbrücken, wo ich mit meiner Rolle vertraut gemacht wurde. Die Hoffnung auf den jugendlichen Liebhaber erfüllte sich zwar nicht, da das Färbemittel für meine grauen Haare und die Faltencreme das Budget gesprengt hätten, aber ich erhielt eine andere herausragende Rolle. Eine Rollatorrolle. Ich musste einen Senior spielen, dem Kinder den Rollator stehlen (was für eine Herausforderung, sich mit 63 in einen 60-Jährigen hineinzudenken!). Die Mädels und Jungs trollten bereits herum. Man fragte mich, ob ich in der Lage sei, den Text noch schnell auswendig zu lernen. Ich sagte zu und begann sogleich damit, ihn mir einzuprägen. „Hey, hey, hey, was macht ihr da?“ hatte ich zu rufen. Schon nach einer halben Stunde konnte ich den Satz ohne abzulesen auswendig sprechen und der Dreh (der, wie ich erst später erfuhr, gar keiner war) begann. Die Szene wurde mehrfach wiederholt, gottseidank aber nicht, weil ich – wie ich zunächst fürchtete – doch ein paar unerwartete Probleme mit dem Text hatte. Wohl aufgrund der Reaktion der Umherstehenden hatte ich nämlich „Hey, hey, hey, was lacht ihr da?“ gerufen. Doch dann kamen die Worte fehlerfrei über meine Lippen und ich fühlte, wie ich mich in der kurzen Zeit von einem reinen Schauspieler zum Charakterdarsteller entwickelt hatte. Was mich allerdings wunderte war die Tatsache, dass die Szene nicht gefilmt, sondern nur fotografiert wurde. Die Produzentin selbst und Fotograf Steven Gläser klärten mich dann auf. In dem Kinofilm werden in einer Szene Fotos von dem Rollatordiebstahl gezeigt. Auf diesen Fotos bin ich dann eventuell möglicherweise gegebenenfalls unter Umständen für eine halbe Sekunde zu sehen. Der aufzusagende Text diente nur dazu, mir einen entsprechenden Gesichtsausdruck zu verleihen. Nun ja, ich gebe zu, dass mir das dann doch einen gehörigen Dämpfer versetzte. Doch die Produzentin meinte, auch George Clooney habe einmal klein angefangen und sei dann doch ein Weltstar geworden. Dies gab mir dann den festen Glauben an meine internationale Karriere zurück. Mittlerweile habe ich Autogrammkarten in Druck gegeben und neue Visitenkarten bestellt mit der Berufsbezeichnung „Actor“. „Schauspieler“ erschien mir in Erwartung der Weltkarriere unangebracht. Nun sitze ich in meinem kleinen Dorf im kleinen Saarland und mit jedem Schluck Rum wird der Traum vom Ruhm realistischer.

EA

 


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