Folterung

Das Wort „Folterung“ war bisher für mich ein Begriff, von dem ich nur in Büchern und Zeitungen, in Film und Fernsehen erfuhr. Gestern nun erzählte mir ein junger Syrer, was er in seiner Heimat erlebt hat. Der Satz „Ich will Freiheit!“ war Grund genug, ihn zu verhaften und ins Gefängnis zu stecken. Er berichtete, dass er zunächst zwei Tage lang mit gefesselten Händen an der Decke eines Raumes aufgehängt wurde, sodass nur seine Fußspitzen den Boden berührten, dass brennende Zigaretten auf seinem Rücken ausgedrückt wurden und dass er später noch einmal auf gleiche Art für diesmal längere Zeit gequält wurde – zusammen mit insgesamt 60 Männern, die dicht an dicht in einem Raum von 3 x 3 m hängen mussten. Ich habe nicht gefragt, wie es sich verhielt, wenn man zur Toilette musste, weil ich ihm die Antwort ersparen wollte. Auch von einer anderen sadistischen Foltermethode erfuhr ich. Männer werden liegend angebunden und am Bauch verletzt. Dann wird eine Ratte darauf gesetzt und über sie ein Topf gestülpt, sodass sie nicht entweichen kann und die Bauchwunde des Mannes anfrisst. Nicht näher beschreiben will ich Praktiken, bei denen man Männer mit Ästen quälte, welche in eine Körperöffnung gesteckt wurden. Der Mann berichtete weiter von aggressivstem Verhalten von Mitgliedern des IS während seiner späteren Flucht durch IS-Gebiete und die Verletzung durch eine Bombenexplosion. Für die Flucht hatte er Schleppern 5000 Dollar bezahlen müssen. Meine Frage, ob denn auch unter den Flüchtlingen in Deutschland Männer seien, die diese Folterungen vorgenommen hatten, bejahte er. Er habe den Mann, der seinen Bruder getötet hat, in einer deutschen Stadt gesehen. Ich erfuhr auch von Erpressungen durch Mitglieder der Assad-Anhänger, die mit Gefängnis drohten, wenn nicht eine bestimmte Summe Geld bezahlt würde. Die Vergangenheit verfolgt den jungen Syrer immer noch in seinen Träumen. Er konnte mit mir auf Deutsch sprechen, nachdem er mittlerweile das Niveau B2 im Sprachkurs erreicht hat. Um noch besser zu werden, müsste er aber unbedingt Deutsche kennenlernen, mit denen er sich regelmäßig unterhalten könnte. „Hast du denn Kontakt zu Deutschen?“, fragte ich ihn. Er verneinte. Er habe seine Nachbarn gefragt, ob sie Kontakt mit ihm haben möchten (einen netteren Nachbarn als diesen Syrer kann ich mir übrigens gar nicht vorstellen), aber ihre spontane Antwort sei diese gewesen: „Wir reden nicht mit Flüchtlingen!“ Das ist Folterung made in Germany.

EA

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