Der Schal

Heute hatte ich die zweifelhafte Freude, neben einer Theaterbesucherin zu sitzen, bei der mir erst nach einiger Zeit bewusst wurde, dass sie vermutlich an einer krankhaften Störung leidet. Vorstellung beginnt. Klack. Handtasche auf. Schal entnommen. Schal um den Hals. Klack. Handtasche zu. Schal zurechtgerückt. Schal über den Kopf gezogen. Klack. Handtasche auf. Schal hinein. Klack. Handtasche zu. Klack. Handtasche auf. Schal in die Hand genommen. Schal gedrückt, gewendet, wieder gedrückt. Klack. Schal in die Handtasche gesteckt. Klack. Handtasche zu. Klack. Handtasche auf. Schal entnommen. Klack. Handtasche zu. Schal um den Hals gelegt. Immer wieder das gleiche Spiel – unaufhörlich. Fragende Blicke und Gesten meinerseits wurden ignoriert. Ich erinnerte mich an den uralten Durbridge-Krimi „Das Halstuch“. Die Handlung ist mir nicht mehr gegenwärtig, aber vermutlich wurde jemand mit einem Halstuch erdrosselt. Da ich heute keine Krawatte trug, kam mir bezüglich des Schals eine Idee. Die Tatsache, dass der Ehemann auf der anderen Seite neben ihr saß (seelenruhig übrigens), hielt mich allerdings davon ab, die Idee umgehend in die Tat umzusetzen. In der Pause wechselte ich dann von meinem Platz im 2. Rang ins Parkett. So hat sich also heute doch kein Kriminalfall im Theater ereignet und mein Name wird morgen nicht in der Saarbrücker Zeitung stehen.

EA

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