Das Das-Dass-Dilemma

So, jetzt aber! Schon x-mal habe ich’s mir vorgenommen, es aber immer bleiben lassen, weil ich keinen oberlehrerhaften Eindruck hinterlassen wollte. Heute nun tu ich’s endlich! Aber ich weiß immer noch nicht so recht, wie ich’s angehen soll. Die Rede ist vom häufigsten Rechtschreibfehler, der Verwechslung von “das” und “dass” (früher “daß“). Zwar gibt es größere Probleme in der Welt, das ist mir schon klar – aber dass immer weniger Menschen in der Lage sind, diese beiden Wörter auseinander zu halten, das ist nicht gut. Das müssen wir ändern, dass das klar ist! 😉

Aber wie anfangen?

Vielleicht mit einer Frage: Könnte es sein, dass Sie statt des Satzes “Man lernt nie aus” sagen würden: “Man lernt blau aus”? Nein, niemals! Warum? Weil Ihnen klar ist, dass “nie” und “blau” zwei komplett verschiedene Wörter sind, die man nicht austauschen kann. Mit “das” und “dass” ist das allerdings genauso – es sind zwei ganz verschiedene Wörter, die lediglich fast gleich, bei entsprechender Sprechweise sogar identisch klingen. Jedoch ist nur der KLANG ähnlich bzw. gleich, tatsächlich bedeuten beide aber etwas völlig Unterschiedliches. Das zu verstehen ist für viele nicht einfach, für andere wiederum so logisch, dass sie gar nicht darüber nachdenken müssen.

Ein erstes Beispiel:

Warum ist “Wetten, dass…” richtig und warum wäre “Wetten, das …” falsch?

Die Antwort lautet: Beides kann richtig sein, denn es kommt auf den folgenden Text bzw. dessen Sinn an.

Richtig ist: „Wetten, dass du diesen Text noch ein zweites Mal lesen wirst?!“

Richtig ist aber auch: „Wetten, das liest du noch ein zweites Mal?!“

Falsch wäre: „Wetten, das du diesen Text noch ein zweites Mal lesen wirst?!“

Und falsch wäre auch: „Wetten, dass liest du noch einmal?!“

Wann also ist “das” richtig und “dass” falsch? Und wann ist “das” falsch und “dass” richtig? Das erkläre ich jetzt.

Beginnen wir also mit dem Wörtchen “das“!

Was jeder weiß und auch immer richtig macht: die Schreibung von “das” als ARTIKEL vor einem Nomen. Das können wir also gleich schon abhaken – diesbezüglich werden nämlich keine Fehler gemacht!

Fehler tauchen aber häufig auf, wenn “das” nicht als Artikel gebraucht wird, sondern als PRONOMEN (Fürwort) oder genauer: als RELATIVPRONOMEN (rückbezügliches Fürwort). Was ist das? Gemeint ist damit: “das” bezieht sich auf etwas zuvor Geschriebenes, Gesprochenes oder Gemeintes, daher also “rückbezüglich”.

Beispiele:

Dem Kind, das gestern von einem Auto angefahren wurde, geht es heute schon viel besser.“

Das Wort “das” bezieht sich auf das zuvor geschriebene Wort “Kind”.

Ich glaube, das stimmt, was du sagst!“

Hier bezieht sich “das” nicht auf ein zuvor geschriebenes Wort, sondern meint etwas zuvor Gesagtes. Es ist also auch hier ein rückbezügliches Wort.

Das soll jetzt reichen!“

Auch hier ist “das” ein Fürwort bzw. Pronomen für etwas zuvor Besprochenes.

Das Wort “das” lässt sich theoretisch ersetzen durch “dieses” oder welches”, man tut es aber meistens nicht, weil es altmodisch oder holprig klingen würde. Dann würden die drei Beispielsätze so lauten: „Dem Kind, welches gestern von einem Auto angefahren wurde, geht es heute schon besser.“ „Ich glaube, dieses stimmt, was du sagst!“ „Dieses soll jetzt reichen!“

Nun zu dem häufigsten Problemfall, dem Nichtverstehen des Wortes “dass“. Dieses Wörtchen klingt zwar wie “das” (vorausgesetzt, man spricht dessen “a” betont kurz), ist aber ein gänzlich anderes Wort und hat mit “das” so wenig zu tun wie das anfangs genannte Wort “nie” mit “blau”. Niemand von Ihnen würde schreiben: „Mein Pullover ist nie“. Es ergäbe keinen Sinn. Jetzt müssen wir nur noch erkennen, wann “das” keinen Sinn macht und stattdessen “dass” zur Anwendung kommt. Das zu erkennen ist nicht so ganz einfach. Gehen wir es an!

Das Wort “dass” ist eine ganz andere Wortart als “das“, nämlich eine KONJUNKTION (Bindewort). Konjunktionen verbinden einen Haupt- mit einem Nebensatz. Neben “dass” gibt es noch zahlreiche andere Konjunktionen, z.B. “weil”, “aber”, “obwohl”, “damit”, “als”. Fehler werden hierbei nie gemacht, weil jedem der Sinn dieser Konjunktionen klar ist und man sie nicht mit anderen Wörtern verwechselt. Die Verwechslungsgefahr besteht nur bei der Konjunktion „dass“ mit dem Artikel bzw. Pronomen “das“.

Schauen wir uns zwei Beispiele an:

Der Angeklagte sagte aus, dass er unschuldig sei.“

Schön, dass du da bist!“

Im 1. Beispiel lautet der Hauptsatz (= der Satz, der auch für sich alleine stehen könnte): “Der Angeklagte sagte aus.” Er wird nun durch den Nebensatz “dass er unschuldig sei” ergänzt und mit Komma abgetrennt. Warum wäre es falsch “das er unschuldig sei” zu schreiben? Weil es sich weder um einen Artikel noch um ein Pronomen handelt! Das Wort “dass” bezieht sich nicht auf “der Angeklagte” und nicht auf “sagte aus”, sondern es leitet den Nebensatz ein. Demzufolge kann es auch nicht durch „dieses“ oder „welches“ ersetzt werden.

Im 2. umgangssprachlichen Beispiel haben wir zwar keinen Hauptsatz, aber das Wort “schön” steht für “Es ist schön” – und das wäre dann ein Hauptsatz, gefolgt vom Nebensatz “dass du da bist”.

So, ich glaube, das reicht jetzt! Anders gesagt: Ich glaube, dass das jetzt reicht!

Hmm, doch noch eine Frage: Verstehen Sie im vorigen Satz den Unterschied zwischen “dass” und “das“? Noch nicht so ganz? Warum wäre “Ich glaube, dass reicht jetzt” falsch? Weil das Wort hier keine Konjunktion ist, sondern ein Pronomen – man könnte auch sagen: Ich glaube, dieses reicht jetzt. Gemeint ist etwas zuvor Gesagtes oder Geschriebenes. Im Beispielsatz “Ich glaube, dass das jetzt reicht!” haben wir es mit der den Nebensatz einleitenden Konjunktion “dass” zu tun, gefolgt von dem Relativpronomen “das” (“dieses”) – stellvertretend für etwas Vorheriges.

Das soll es jetzt aber endgültig gewesen sein! Schön, dass Sie mir bis hierhin gefolgt sind! Das ist wirklich erstaunlich, denn das Thema, das ich hier angeschnitten habe, ist ja staubtrocken. Es spricht also sehr für Sie, dass Sie durchgehalten haben! Glauben Sie denn, dass Sie jetzt ein bisschen schlauer sind oder habe ich für noch mehr Verwirrung gesorgt? Das würde mir leid tun!

Dass man das “das” und das “dass” verwechselt, kommt zwar häufig vor, ist aber keine Schande, denn der Wert eines Menschen hängt nicht von seiner Rechtschreibfähigkeit ab. Für Rechtschreibfehler muss sich niemand schämen – dass das klar ist! 🙂

EA

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2 Comments

  1. Sehr geehrter Herr Altmeier,
    wie konnte es sein, dass ich, als Ihnen bisher noch nicht begegneter Zeitgenosse, auf Ihre Webseite gestoßen bin?
    Das ist leicht erklärt. Ich war nämlich heute Morgen in der Muehlenthal-Druckereiei, um mich mit unserer Ortsvorsteherin Christel Albert und dem Leiter der Druckerei, Herrn Webers über die Gestaltung des Familienkalenders 2017 zu beraten.
    Bei dieser Gelegenheit machte Herr Webers mich auf Ihre Webseite aufmerksam.
    Eigentlich wollte ich mir Fotos ansehen, bin aber bei Ihrem Artikel: “ das Das-Dass-Dilemma“ hängengeblieben.
    Mit großem Vergnügen habe ich den Artikel gelesen, weil auch ich ein Freund der deutschen Sprache bin.
    Sehr schön finde ich Ihre abschließende Feststellung, dass der Wert eines Menschen nicht von seiner Rechtschreibefähigkeit abhängt.

    So sehr mir Ihr Artikel auch gefallen hat, muss ich dennoch einen kleinen Einwand machen. Ich hoffe, dass das Ihnen aber die Laune nicht verdirbt.
    An einer Stelle schreiben Sie: „Es ergäbe keinen Sinn. Jetzt müssen wir nur noch erkennen, wann „das“ keinen Sinn macht und …“

    Sehr oft wird darüber geschrieben oder gesprochen, dass etwas „keinen Sinn macht“. Kann etwas einen – oder keinen Sinn machen?
    Ich glaube, dass etwas nur einen Sinn haben oder nicht haben kann.

    Ich hoffe, dass ich hiermit keinen Unsinn verzapft habe und dass das, was ich geschrieben habe Ihre Zustimmung erhält.
    Zuguterletzt zurück zu meiner Absicht Ihre Bilder zu betrachten. Diese werde ich im Anschluß noch umsetzen.
    Vorab kann ich sagen, dass Ihr Foto Nr.7 von 2015 in dem neuen Kalender 2017 nach meiner Meinung das Schönste sein wird.

    Mit freundlichen Grüßen

    Bertold Schäfer

    1. Lieber Herr Schäfer,

      Ihr Kommentar freut mich sehr. Danke, dass Sie meinen Beitrag so aufmerksam gelesen haben und mir eine Rückmeldung geben! Ich habe mich bisher noch nie gefragt, ob die Formulierung „Das macht (keinen) Sinn“ Sinn macht. Ups, jetzt ist es schon wieder passiert! 😉 Ehrlich gesagt: Meine Alarmglocken schrillten bei „Sinn machen“ bisher nicht. Aber je länger ich darüber nachdenke, desto mehr kann ich mich Ihrer Argumentation anschließen. Ich möchte den Text aber nicht ändern, denn eine Korrektur würde ja Ihren Einwand für andere Leser sinnlos erscheinen lassen. Vielen Dank nochmals!

      Lieber Gruß

      Erwin Altmeier

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